Die letzte Woche startete mit der Inauguration des Paulusjahres und einem gigantischen Festgottesdienst in der Kathedrale am Sonntag. Beinahe - schien es mir - drohte das stattlich Gebaeude auseinanderzubersten, so gross war der Andrang. Dementsprechend "imposant" waren auch die Sicherheitvorkehrungen. Allgemein ist es doch ein eigenartiges Gefuehl vor dem Kirchbesuch von schwerbewaffneten Soldaten kontrolliert und verhoert zu werden. Auslaendern gegenueber schienen die Sicherheitsbeamten besonders skeptisch zu sein und Andre (aus Indonesien) und mir wurde spezielle Aufmerksamtkeit zuteil. In der Kathedrale selbst war die Stimmung aber umso beeindruckender und intensiver.
Wir hatten regelrechtes Glueck ueberhaupt noch einen Sitzplatz zu erhaschen und sassen eng zusammengepfercht auf der rechten Seite, der Maennerseite: Alle Frauen und Kinder links, die Maenner rechts. Zudem tragen in der Kirche alle Frauen ein Kopftuch, was - verstaerkt durch das gothische und durch und durch europaeisch gepraegte Mauerwerk mit seinen Ornamenten - eine beinah vorkonziliar anmutende Atmosphaere kreiert. Mit dem Einzug und dem Aufspielen der lebhaften und lebensfrohen Musikanten schied diese aber schnell dahin und wich einer anregenden Mischung aus europaeischer und pakistansicher Froemmigkeit. Auch die anschliessende Prozession zur Residenz des Erzbischofs war von dieser Ambivalenz gepraegt: Die Rosenkranz betenden Priester und andaechtigen Traeger der Paulusstatue wurden von Scharen enthusiastischer Musikanten, Saenger und Taenzer umringt.
Ohne Tanz und Musik kann man in Pakistan nun mal keine Feste feiern, schon gar keine religioesen. Allerdings herrscht auch beim Tanz das unterschwellige Gebot der strengen Geschlechtertrennung, so dass Mann mit Mann zwar problemlos Walzer tanzen kann (ohne irgendwelchen anruechigen oder gar homosexuallen Ansatz), dies mit einer Frau aber absolut unmoeglich waere.
Vom Tanz gepraegt war schliesslich auch das Fest anlaesslich der ewigen Profess von Schwester Rubia von den Toechter des heiligen Paulus am Montag. Fuer grosses Aufsehen sorgte hierbei das Buffet, das zahlreiche europaeische Koestlichkeiten wie Spaghetti oder Bratkartoffeln fuehrte. Persoenlich bevorzugte ich aber die scharfen, pakistanischen Gerichte; mittlerweile schmeckt mir die westliche Kost schon etwas zu schal.
Pater Renato ist am Dienstag mit sechs Jugendlichen nach Australien zum Weltjugendtag aufgebrochen und mittlerweile auch gut in Sidney angekommen, wo sie zur Zeit noch in der hiesigen Jesuitenresidenz untergebracht sind und das Hallenbad das absolute Highlight darstellt. Allerdings muss ich hier das Armutgeluebde der Jesuiten doch insofern verteidigen, dass es sich beim Hallenbad um einen Teil des von Jesuiten gefuehrten Colleges handelt und nicht um ein "ignatianisches Privatfeature".
Persoenlich steht bei mir ebenfalls alles sehr gut, nur bin ich etwas unter Zeitdruck und verbringe jeden Tag mindestens zehn Stunden in der Bibliothek, um das Skriptum fuer den am 12. Juli starten Vorlesungszyklus zur Mariologie fertigzustellen. Wenn dies dann endlich geschafft ist, hoffe ich wieder mehr Zeit fuer Crickett und Erkundungstouren durch Lahore zu haben.
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2 Kommentare:
Gruss aus dem verregneten Zürich. Freue mich immer über Deine news!
Du scheinst einigen Aufwand zu betreiben für die sisters...hoffentlich nicht zu viel stress....
auch meinen Respekt für die umfangreiche Bibliotheksarbeit.
In der Bibliothek triffst Du doch auch sicher Ikram Chaghatay, Grüsse ihn doch bitte von Mr. Thomas im Gedenken an Mohammad Asad!
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