Dienstag, 22. Juli 2008

Eine afrikanische Erfahrung

Letzten Sonntag besuchte ich den Abendgottesdienst in der Kathedrale von Lahore, der traditionell vor allem von nigeriansichen und anderen afrikanischen Immigranten frequentiert wird, und erlebte eine gewaltige Ueberraschung. Wie ja durchaus anzunehmen unterschied sich dieser "afrikanische" Gottesdienst, der massgeblich von den Immigranten selbst gestaltet wurde, in Liedgut und Dynamik deutlich von der "normalen" pakistanischen Eucharistiefeier. Faszinierend war allerdings, dass hier die praegendsten kulturellen Faktoren - wie beispielsweise die Purdah (strenge Geschlechtertrennung) - schlicht nicht zu gelten schienen: Frauen, Maenner und Kinder sassen wild durcheinandergemischt in den Reihen. Die Kopftuecher wurden durch Jeans ersetzt und Haare teilweise sogar offen getragen. Auch die beruehmt-beruechtigte Hierarchie schien ausser Kraft gesetzt und die Kinder schrien und spielten selbst waehrend dem Hochgebet. Insgesamt war es eine guttuende Erfahrung - ebenfalls voller Vitalitaet und Lebensfreude, aber doch auf eine aufmundernd andere Art.
Allerdings bin ich in diesem Kreis natuerlich umso deutlicher ins Auge gestochen und einmal mehr an der Sicherheitskontrolle haengen geblieben. Offensichtlich hat mich der Beamte - wohl aufgrund meines Shalwar Khameez (traditionelle Kleidung in Pandschab) und Bartes - fuer einen Moslem gehalten, und erst in die Kathedrale eintreten lassen, als er sichtlich erleichtert feststellte, dass ich wirklich kaum Urdu verstehe. Hierzu ist zu sagen, dass die einzige Bevoelkerungsgruppe Pakistans mit weisser Haut, die Pathan, im unmittelbaren Grenzgebiet zu Afghanistan leben und im Pandschab allgemein als Fanatiker und Barbaren verschrien sind.

Samstag, 12. Juli 2008

the Monsoon is starting...

Today the mosoon got really started and flooded our entire street. There was one yard of water and if you wanted to leave Loyola Hall you basicly had to either swim or float or find some other way through the waters. Still, ten sisters came to my series of lectures on theology that started today. The topic is "The Role of Mary in Catholic Theology". Mariology is very important here in Pakistan, because a lot of the growing Protestant churches challenge the Catholic tradition and pratice. So it is necessary to provide some sound theology and to point out its biblical background in order to enable and build dialogue between the churches. With some of the new Protestant churches - like the Church of Christ - we have some good contact. They use one of our halls once in a while for some outreach-activities.
Our Puppies are growing fast. Unfortunatel, two of them died a day after their birth, but the remaining two are now starting to wander around and explore their environement.

Freitag, 4. Juli 2008

Die letzte Woche

Die letzte Woche startete mit der Inauguration des Paulusjahres und einem gigantischen Festgottesdienst in der Kathedrale am Sonntag. Beinahe - schien es mir - drohte das stattlich Gebaeude auseinanderzubersten, so gross war der Andrang. Dementsprechend "imposant" waren auch die Sicherheitvorkehrungen. Allgemein ist es doch ein eigenartiges Gefuehl vor dem Kirchbesuch von schwerbewaffneten Soldaten kontrolliert und verhoert zu werden. Auslaendern gegenueber schienen die Sicherheitsbeamten besonders skeptisch zu sein und Andre (aus Indonesien) und mir wurde spezielle Aufmerksamtkeit zuteil. In der Kathedrale selbst war die Stimmung aber umso beeindruckender und intensiver.
Wir hatten regelrechtes Glueck ueberhaupt noch einen Sitzplatz zu erhaschen und sassen eng zusammengepfercht auf der rechten Seite, der Maennerseite: Alle Frauen und Kinder links, die Maenner rechts. Zudem tragen in der Kirche alle Frauen ein Kopftuch, was - verstaerkt durch das gothische und durch und durch europaeisch gepraegte Mauerwerk mit seinen Ornamenten - eine beinah vorkonziliar anmutende Atmosphaere kreiert. Mit dem Einzug und dem Aufspielen der lebhaften und lebensfrohen Musikanten schied diese aber schnell dahin und wich einer anregenden Mischung aus europaeischer und pakistansicher Froemmigkeit. Auch die anschliessende Prozession zur Residenz des Erzbischofs war von dieser Ambivalenz gepraegt: Die Rosenkranz betenden Priester und andaechtigen Traeger der Paulusstatue wurden von Scharen enthusiastischer Musikanten, Saenger und Taenzer umringt.
Ohne Tanz und Musik kann man in Pakistan nun mal keine Feste feiern, schon gar keine religioesen. Allerdings herrscht auch beim Tanz das unterschwellige Gebot der strengen Geschlechtertrennung, so dass Mann mit Mann zwar problemlos Walzer tanzen kann (ohne irgendwelchen anruechigen oder gar homosexuallen Ansatz), dies mit einer Frau aber absolut unmoeglich waere.
Vom Tanz gepraegt war schliesslich auch das Fest anlaesslich der ewigen Profess von Schwester Rubia von den Toechter des heiligen Paulus am Montag. Fuer grosses Aufsehen sorgte hierbei das Buffet, das zahlreiche europaeische Koestlichkeiten wie Spaghetti oder Bratkartoffeln fuehrte. Persoenlich bevorzugte ich aber die scharfen, pakistanischen Gerichte; mittlerweile schmeckt mir die westliche Kost schon etwas zu schal.
Pater Renato ist am Dienstag mit sechs Jugendlichen nach Australien zum Weltjugendtag aufgebrochen und mittlerweile auch gut in Sidney angekommen, wo sie zur Zeit noch in der hiesigen Jesuitenresidenz untergebracht sind und das Hallenbad das absolute Highlight darstellt. Allerdings muss ich hier das Armutgeluebde der Jesuiten doch insofern verteidigen, dass es sich beim Hallenbad um einen Teil des von Jesuiten gefuehrten Colleges handelt und nicht um ein "ignatianisches Privatfeature".
Persoenlich steht bei mir ebenfalls alles sehr gut, nur bin ich etwas unter Zeitdruck und verbringe jeden Tag mindestens zehn Stunden in der Bibliothek, um das Skriptum fuer den am 12. Juli starten Vorlesungszyklus zur Mariologie fertigzustellen. Wenn dies dann endlich geschafft ist, hoffe ich wieder mehr Zeit fuer Crickett und Erkundungstouren durch Lahore zu haben.